David, der Improvisationskünstler

Geistlicher Impuls Oktober 2025

von Tobias Aldinger, Referent für Glaubenskommunikation und das Bonifatiuswerk

 
Der Übergang in die neuen Strukturen ist nicht nur vom Zauber des Neuanfangs begleitet. Die offenen Fragen und Baustellen, bleibende Herausforderungen bäumen sich an manchen Tagen wie Riesen vor uns auf. Riesen, die wie Goliat „vierzig Tage lang“ (1 Sam 17,16) rufen: „Wer nimmt es mit mir auf“? Ich liebe die Geschichte des David. Nicht, weil er als siegreicher Held aus dem Kampf geht.  Nein, was ich an ihm schätze, ist seine Improvisationsleistung. Denn an zwei entscheidenden Stellen improvisiert David. Er verlässt die Pläne, weil das Leben andere schreibt: 
 
Erste Improvisation: Davids Vater schickt ihn als Proviant-Bote an die Front zu seinen drei Brüdern, die Goliat und den Philistern gegenüberstehen (1 Sam 17,17f.) Eigentlich ein sicherer Auftrag. Da kann nichts schiefgehen. Doch David verlässt diese Pläne: „Niemand soll wegen des Philisters den Mut sinken lassen.“ (1 Sam 17,23) Und er stellt sich Goliat.
Zweite Improvisation: Davids König legt ihm seine Rüstung an. Doch David ist das königliche Kampfgeschirr nicht gewöhnt. Er ändert den Plan und nimmt seine gewohntes Hirtenwerkzeug: Steine und Schleuder. (1 Sam 17,40)
 
Was David im Innersten zu diesen Entscheidungen bewogen hat, können wir nur indirekt erahnen. Ich glaube, es waren zwei Dinge, die tragen, wenn es ernst wird. Zwei Dinge, die in unplanbaren Momenten Entscheidungs- und Tatkraft hervorrufen: Herzenshaltung und Handwerkszeug.
 
Herzenshaltung – wenn es drauf ankommt: Wofür will ich wirklich stehen? Übertragen auf uns als Kirche: Wozu sind wir da? Wofür setzen wir wirklich unsere Kraft ein?
Handwerkszeug – wenn es drauf ankommt: Wann bin ich in meinem Element? Welche guten Erfahrungen und eingeübten Handwerkszeuge kann ich nutzen?
 
Ich wünsche uns allen und vor allem den neu zu wählenden Pfarreiräten in den kommenden Monaten diesen David an die Seite. Ein David, der uns sagt: Heute stelle ich mich dem, was kommt. Mit dem hörenden Herz, das fragt: Wozu rufst du uns als Kirche vor Ort? Heute lass ich die glänzende Rüstung des Königs liegen und vertraue auf das, was ich und wir alle unterschiedlich an Handwerkzeug und Gaben mitbringen.